Ausgabe 12: Was wollt ihr denn? Worauf Aufsichtsräte bei Compliance achten

Hängt Ihnen eigentlich die VW-Geschichte mittlerweile auch zum Hals heraus? Es scheint doch so, dass jeder, der Wirtschaftspresse liest, das Unternehmen heute besser kennt als VW sich selbst. Und es kommen ständig immer neue Details und „Fehlverhalten“ aus der gesamten Automobilbranche wie aus einem Zauberhut heraus. Seltsam, sie haben doch alle Super-GRCs, so gut ausgestattete Compliance-Abteilungen und sehr gut bezahlte Chief Compliance Officer, dass so mancher „Compliance-Verantwortliche“, der in der Hierarchie seines Unternehmens gleich nach dem Rechtsabteilungsleiter und seiner Sekretärin kommt, neidisch werden könnte. Und dennoch … In der Zwischenzeit gibt es viele Studien, in denen eine Erkenntnis immer wieder kolportiert wird: Gelingende Compliance hängt mit einer bestimmten Unternehmenskultur zusammen. Hochmut und Selbstgefälligkeit wurden allerdings bisher nicht als zentrale Tugenden dieser für Compliance positiven Unternehmenskultur genannt.
 
Und eine Frage stellt sich immer wieder: Wo haben eigentlich die Aufsichtsräte hingeschaut? Ausreden, das sei ja alles viel zu komplex, und dergleichen Gelaber, zählen hier nicht: Aufsichtsräte müssen das Unternehmen überwachen und darauf achten, dass im Unternehmen bestimmte Strukturen UND ein bestimmter Geist da sind. Wenn Sie die Titelgeschichte hier im Heft lesen, die über das Verhältnis der Aufsichtsräte zu Compliance handelt, werden Sie feststellen, dass für alle befragten Aufsichtsräte genau ein Punkt als der zentralste gilt: die Unternehmenskultur und die Integrität der Führungskräfte. Ihnen ist klar, wenn an dieser Stelle etwas nicht stimmt, kann es mit dem CMS auch nicht weit sein. Was schließen wir daraus? Also!
 
Ich wünsche Ihnen beim Lesen viel Vergnügen! Und ich hoffe, Sie alle auf unserem Bundeskongress am 15. und 16. November 2017 zu sehen!
 
Ihre
Irina Jäkel
Editor in Chief