Ausgabe 5: Know your Business

Große Compliance-Vorfälle, wie wir sie zum Beispiel bei VW derzeit beobachten, regen dazu an, über den Sinn des Compliance-Lebens nachzudenken. Hat Compliance einen Sinn, wenn die Bemühungen der Compliance Manager leicht durch den Vorstand ausgehebelt werden können? Oder denken wir an Unternehmen, die finanziell schwierige Zeiten durchleben – wo wird wohl als Erstes ein Einsparungspotential lokalisiert? In Compliance. Ist Compliance dann ein Dead End? Der oft allegorisch verklärte „Tone at the Top“ ist bei der überwiegenden Zahl aller Unternehmen bloß eine Worthülse. Wie es wirklich um die Corporate Compliance in Deutschland bestellt ist, das können Sie in meiner „Bösenachtgeschichte“ nachlesen. Das ist eine Kommentar-Rubrik, in der ich für Sie sozusagen real existierende Compliance-Märchen schreibe.

Aber denken wir positiv: Es gibt Dinge, die können wir nicht ändern. Aber alles, was wir selbst unter Kontrolle haben, daran sollten wir arbeiten. Das ist auch der Grund, warum wir uns im aktuellen Heft mit zwei wichtigen Fragen beschäftigen: Wie führt man in Compliance richtig? Und, verstehen die Compliance Manager wirklich ihr Geschäft? Zum einen entscheidet die Art der Führung viel über den Erfolg der Compliance im Unternehmen mit. Setzt man falsche Prioritäten oder auf die falsche Strategie, dann hat man schon von vornherein verloren. Und nicht jeder Fachexperte ist für eine Führungsposition geeignet.

In unserer Titelgeschichte „Die Kunst, ein Chief zu sein“ können Sie lesen, was man für eine Führungsposition an persönlichen Eigenschaften bringen muss, wie der aktuelle Stand der Forschung dazu ist und wie das manche Heads of Compliance der DAX-30-Unternehmen machen. Zum anderen wollen wir Ihnen zeigen, woran manche Compliance-Programme – vor allem in Anti-Korruption – scheitern können: An mangelhafter Kenntnis des eigenen Geschäfts. Unser Special dazu heißt „Auf allen Augen blind“ und soll Sie dazu anregen, Ihre Kollegen um ehrliche Worte zu Ihrer Arbeit zu bitten. Machen Sie sich auf Überraschungen gefasst.

Ich wünsche Ihnen eine spannende Lektüre!

Ihre
Irina Jäkel
Editor in Chief