Ausgabe 6: Legal vs. Ethics

Beim Durchblättern des Heftes werden Sie feststellen, dass wir dieses Mal ein Leitthema haben: Selbstreflexion. So, wie es hier gemeint ist, hat diese Selbstreflexion nichts mit der Grübelei in der Einsamkeit zu tun. Sondern im Gegenteil, dass Sie Feedback von Ihren Mitarbeitern im Unternehmen einholen und versuchen, Ihre Compliance-Maßnahmen auf diesem Feedback aufbauend zu revidieren.

Nehmen wir zum Beispiel unser Titelthema „Letter vs. Spirit“, also reines Legal Compliance vs. Compliance & Ethics. Das Ziel der Ethik ist die Ausarbeitung von Normen und Werten, die uns dann in bestimmten Situationen eine Orientierung geben. Was hat das mit Compliance zu tun? Der Compliance Officer muss die Unternehmensethik erfassen und auf das eigene Compliance-Programm anwenden können. Dazu müssen sich die Compliance Officer bewusst sein, dass auch ihr Verhalten bestimmte ethische Werte widerspiegeln muss, damit die Mitarbeiter das CMS ernstnehmen und sich „ihrem Compliance Manager“ anvertrauen können. Auch hier ist die Fähigkeit zur Selbstreflexion wichtig.

Oder nehmen wir die zweite große Geschichte dieses Heftes, wo es um Schreiben in Compliance geht. Das ist eine Zusammenfassung meiner Masterclass auf unserem Bundeskongress in Berlin. Glauben Sie wirklich, Sie erreichen mit Ihren Texten das, was Sie eigentlich erreichen wollen? Hier ist wieder eine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem eigenen Tun notwendig. Das geht übrigens auch nicht ohne ein Feedback von Seiten Ihrer Mitarbeiter.

Ich bespreche in diesem Heft eine wissenschaftliche Studie eines Arbeits- und Organisationssoziologen, der mit Compliance Officern eines Unternehmens Interviews geführt hat. In seiner Studie schreibt er, dass Compliance Officer durchaus realisieren, dass sie mit bestimmten Dingen im Unternehmen nicht die gewünschte Wirkung erzielen – nur sehen sie nicht, dass die Reaktionsmaßnahmen, die sie daraufhin ergreifen, es nur noch schlimmer machen. Ich kann Ihnen die Beschäftigung mit dieser Studie sehr empfehlen. Vieles, was darin steht, mag wehtun, hilft aber, sich selbst zu reflektieren.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine spannende Lektüre und viel Inspiration!

Ihre Irina Jäkel
Editor in Chief